Stürze im Alter – mehr als nur ein gebrochener Knochen
Manchmal ist es nur die Eile, mit der wir zur Tür oder zum Telefon gehen. Manchmal ist es eine unbedachte Bewegung, Schwindel, ein Teppich, eine kleine Stolperfalle auf dem Weg, eine nasse Straße oder sogar die Arbeit im Garten.
05.11.2026
Gerade bei älteren Menschen kommen häufig weitere Risikofaktoren hinzu, wie nachlassende Muskelkraft, Gleichgewichtsstörungen, Sehbeeinträchtigungen, Herzrhythmusstörungen, Kreislaufprobleme oder kurzzeitige Bewusstseinsstörungen. Die Ursachen sind unterschiedlich – das Ergebnis ist jedoch oft dasselbe: ein Sturz und nicht selten eine Fraktur, die weitreichende Folgen haben und die Selbstständigkeit erheblich beeinträchtigen können.
Genau hier setzt die geriatrische Behandlung an. Ihr Ziel ist es, nach einer Fraktur oder Operation nicht nur die medizinische Heilung zu begleiten, sondern vor allem Mobilität, Selbstständigkeit und Sicherheit im Alltag zurückzugewinnen.
Die postoperative Versorgung beginnt deshalb möglichst früh. Gerade in dieser Phase haben viele ältere Patientinnen und Patienten Schmerzen, die das Aufstehen und Gehen erschweren können. Eine individuell angepasste Schmerztherapie ist daher ebenso wichtig wie eine sorgfältige postoperative Wundversorgung. Die Operationswunde wird regelmäßig kontrolliert und fachgerecht versorgt, damit mögliche Komplikationen früh erkannt und die weitere Rehabilitation möglichst ohne Verzögerungen fortgesetzt werden kann.
Physiotherapie hilft dabei, Kraft, Gleichgewicht und Koordination wiederaufzubauen. In der Ergotherapie werden wichtige Fähigkeiten für den Alltag trainiert, zum Beispiel das Anziehen, Waschen oder das sichere Bewegen in der eigenen Wohnung.
Gleichzeitig wird nach möglichen Ursachen des Sturzes gesucht. Neben äußeren Stolperfallen können unter anderem Blutdruckabfälle, Herzrhythmusstörungen, Schwindel, Medikamente oder andere internistische Erkrankungen eine Rolle spielen. Die Abklärung dieser Faktoren ist wichtig, um das Risiko weiterer Stürze möglichst zu verringern.
Nach einer Operation oder während eines Krankenhausaufenthaltes kann bei älteren Menschen außerdem vorübergehend ein Delir auftreten. Die Betroffenen wirken plötzlich verwirrt, unruhig oder ungewöhnlich schläfrig. Mögliche Auslöser wie Schmerzen, Infektionen, Flüssigkeitsmangel, Schlafstörungen oder Medikamente sollten frühzeitig erkannt und behandelt werden. Orientierung, ausreichende Flüssigkeitszufuhr, eine gute Schmerztherapie, ein geregelter Tag-Nacht-Rhythmus und die frühe Mobilisation spielen dabei eine wichtige Rolle.
In der Geriatrie arbeitet deshalb ein multiprofessionelles Team aus Ärzten, Pflegekräften, Physio- und Ergotherapeuten sowie dem Sozialdienst eng zusammen. Gemeinsam wird entschieden, welche Unterstützung jeder einzelne Patient benötigt.
Am Ende geht es um mehr als die erfolgreiche Behandlung einer Fraktur. Es geht darum, möglichst viel Selbstständigkeit, Sicherheit und Lebensqualität zurückzugewinnen – und wieder Vertrauen in den eigenen Körper und die eigene Bewegung zu entwickeln.
Wir wünschen Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, vor allem Gesundheit.
Und sollte es im höheren Lebensalter zu einem Sturz kommen, ist mit der richtigen Behandlung, Geduld und Unterstützung oft mehr möglich, als man zunächst denkt.
Ihre Dr. Laura Manuela Buchmann
Chefärztin der Klinik für Akutgeriatrie am
St. Rochus Krankenhaus in Steinheim