Stroke Unit

Schnell & richtig handeln bei Schlaganfällen

Im Fachjargon spricht man von einer Apoplexie, doch die meisten Menschen kennen ihn als Schlaganfall oder Hirnschlag: Verstopfte oder verletzte Gefäße verursachen eine plötzliche Durchblutungsstörung des Gehirns. Die betroffenen Hirnareale werden nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Die dadurch entstehenden Schäden an den Nervenzellen, die unsere Körperfunktionen steuern, sind abhängig von der Schwere des Schlaganfalls und von der folgenden medizinischen Behandlung: Je eher die Therapie beginnt, desto wirksamer ist sie. "Time is brain", sagen die Experten. 

Jeder Schlaganfall ist ein Notfall!

Plötzlich auftretende Sprachstörungen, Schwindel und Gleichgewichtsverlust, Lähmungen und Taubheitsgefühle, Sehstörungen und starke Kopfschmerzen - das alles können Symptome für einen Schlaganfall sein. Durch Vorerkrankungen wie Diabetes und Bluthochdruck oder Risikofaktoren wie Stress, Rauchen und erhöhte Cholesterinwerte kann ein Schlaganfall begünstigt werden.

Inzwischen wissen wir viel über die Ursachen und auch die medizinische Behandlung ist in den vergangenen zwei Jahrzehnten erheblich verbessert worden – mit dem Ergebnis, dass die Sterblichkeit und zurückbleibende Behinderungen deutlich reduziert werden konnten. Dennoch ist der Schlaganfall nach dem Herzinfarkt und Krebserkrankungen noch die dritthäufigste Todesursache in der westlichen Welt. Viele Informationen rund um die Entstehung, Prävention und lebensrettende Sofortmaßnahmen finden Sie in unserem Ratgeber Schlaganfall (PDF).

Teamwork für eine möglichst vollständige Genesung

Unsere Stroke Unit ist auf die Versorgung akuter Schlaganfälle spezialisiert. Hier werden Patienten nach den ersten Stunden bis Tagen nach dem Schlaganfall behandelt. Nach den lebensrettenden Notfallmaßnahmen erarbeitet ein multiprofessionelles Team aus Physiotherapeuten, Logopäden, Ärzten und speziell ausgebildeten Pflegern (Stroke Nurses) ein individuelles Therapiekonzept. Das ermöglicht nicht nur eine zügige Rehabilitation und Mobilisation, sondern beschleunigt auch die Rückbildung entstandener Einschränkungen und vermeidet weitere Komplikationen.

Ihr Chefarzt

Dr. med. Uwe Heckmann - Ärztlicher Leiter

Dr. med. Uwe Heckmann leitet als Chefarzt der Klinik für Neurologie auch die Stroke Unit. Als Facharzt für Neurologie und Psychiatrie mit Zusatzweiterbildung in neurologischer Intensivmedizin und Psychotherapie bringt er seine Expertise für das Wohl unserer Patienten ein. Seit 2002 ist Dr. Heckmann zudem Regionalbeauftragter der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe in Gütersloh. Er leitete viele Aufklärungsveranstaltungen für die Bevölkerung sowie wissenschaftliche Fortbildungen über Schlaganfall.

  • Facharzt für Neurologie und Psychiatrie
  • Facharzt für neurologische Intensivmedizin
  • Facharzt für Psychotherapie

Unser Therapiekonzept

Der Neurologe führt zuerst eine körperliche Untersuchung durch, nimmt dem Patienten Blut ab und schreibt ein EKG. Es erfolgt im Anschluss eine Computertomografie (CT) des Kopfes.  Es handelt sich um eine spezielle Röntgentechnik, die eine Unterscheidung zwischen einem Hirninfarkt durch einen Gefäßverschluss und einer Hirnblutung durch ein geplatztes Gefäß ermöglicht.

In jedem Fall ist eine schnelle und umfassende Ursachenforschung wichtig, um sofort mit der Therapie beginnen zu können. Dabei kommen in der Regel vor allem blutverdünnende und gerinnselauflösende Medikamente zum Einsatz (siehe Lyse-Therapie).

Die Untersuchungen in den Folgetagen werden individuell geplant:  In einer Kernspintomografie (MRT) können im Verlauf auch kleinere Schlaganfälle dargestellt  werden, auch gewinnt der Neurologe hieraus oft Hinweise auf zugrundeliegende Erkrankungen.  Untersucht wird immer, ob Herzrhythmusstörungen als mögliche Ursache des Schlaganfalls bestehen. Dann werden in Zusammenarbeit mit der kardiologischen Abteilung weitere Untersuchungen und Therapien durchgeführt. Mit der Doppler- und Duplexsonographie wird festgestellt, ob dem Schlaganfall eine Verengung der Halsschlagader zugrunde liegt. Oft sind auch spezialisierte Blutuntersuchungen erforderlich.

Auf der Stroke Unit werden wichtige Körperfunktionen fortlaufend überwacht, damit mögliche Komplikationen frühzeitig erkannt und behandelt werden können. Beispielsweise wird kontinuierlich der Blutdruck gemessen. Dieser darf in den ersten 24 Stunden nach dem Schlaganfall nicht zu hoch und nicht zu niedrig liegen. Angestrebt wird ein Bereich zwischen 140 und 170 mm Hg.
Zusätzlich müssen Körpertemperatur, Blutzuckerwerte und Sauerstoffgehalt des Blutes gemessen und Abweichungen schnell und konsequent korrigiert werden.

Die Basisbehandlung ist für alle Formen des Schlaganfalls gleich: Der Patient muss genügend Flüssigkeit und Sauerstoff erhalten. 

Besonders effektiv in der Behandlung des Schlaganfalls ist die Gerinnsel auflösende Therapie, die sogenannte Lysetherapie, die ebenfalls auf der Stroke Unit durchgeführt wird. Sie kann durch frühzeitige Wiederherstellung der Durchblutung innerhalb eines Zeitfensters von viereinhalb Stunden nach dem Akutereignis sehr wirksam zurückbleibende Behinderungen nach einem Schlaganfall verringern. 

Bei 5 bis 8 Prozent aller Schlaganfälle ist der Verschluss eines großen Hirngefäßes die Ursache. Diesen Patienten kann durch eine spezielle Katheter-Behandlung sehr wirksam geholfen werden. Dazu verlegen wir sie umgehend in die Uniklinik nach Göttingen, mit der die Neurologie in Höxter einen Kooperationsvertrag geschlossen hat.

Innerhalb von 24 Stunden nach der Aufnahme beginnt darüber hinaus die sogenannte Frührehabilitation und Frühmobilisation der Patienten durch ein gemeinsames Therapiekonzept von Pflegern, Physio- und Ergotherapeuten sowie Logopäden. Dadurch gelingt es, die Rückbildung der durch den Schlaganfall entstandenen Behinderungen zu beschleunigen und Komplikationen wie Thrombosen, Lungenentzündungen und Harnwegsinfekte zu vermeiden. Unsere Fachkräfte bilden sich regelmäßig fort und arbeiten eng zusammen. 

Die Kooperation mit der Akutgeriatrie am St. Rochus Krankenhaus Steinheim und den umliegenden Rehakliniken ermöglicht den Schlaganfallpatienten eine schnelle Verlegung zur stationären oder ambulanten Rehabilitation nach Abschluss der akuttherapeutischen Maßnahmen.
 

Auch nach der Entlassung gut betreut: das Projekt Schlaganfall-Lotsen

Ein Schlaganfall ist häufig ein tiefer Einschnitt im Leben der Betroffenen, je nach Grad der zurückbleibenden Schäden kann sich der Alltag komplett verändern. Unsere beiden Schlaganfall-Lotsinnen bereiten schon während des Aufenthaltes auf diese Umstellungen vor und begleiten die Patienten in den ersten Monaten nach der Entlassung. Sie informieren und beraten Patienten und deren Angehörige, dokumentieren Behandlungen, unterstützen bei der Beantragung von Hilfsmitteln, der Suche nach einem Pflegedienst oder bei notwendigen Umbaumaßnahmen zu Hause und überwachen schließlich die Einhaltung von Therapieplänen und Medikation.

Schlaganfall-Lotsen ist ein Modellprojekt der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe. Es läuft vorerst bis 2020 und wird durch Bundesmittel finanziert. Jede der OWL-weit 15 Schlaganfall-Lotsinnen betreut rund 80 Patienten pro Jahr, die Auswahl erfolgt über die Kriterien der Schlaganfall-Hilfe: Patienten müssen unter anderem in OWL wohnhaft und dort auch versichert sein.

 

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