Seit elf Jahren ein unschlagbares Team
Anneliese Götte setzt auf Unterstützung der Caritas Pflegestationen der KHWE
Bereits seit 11 Jahren wird Anneliese Götte von Elke Höxtermann versorgt. Die Pflegefachkraft des ambulanten Pflegedienstes der KHWE schaut zwei Mal täglich nach ihr.
14.10.2026
Körbecke. „Wir haben uns noch nie gestritten, also kommen wir wohl gut miteinander aus“, sagt Anneliese Götte mit einem Schmunzeln auf den Lippen, auf die Frage, wie sie die Bindung zwischen ihr und Elke Höxtermann beschreiben würde. Ein tieferer Blick lässt darauf schließen, die Pflegefachkraft der Caritas Pflegestationen der KHWE ist mehr als eine Dienstleisterin für Anneliese Götte, die gerade ihren 101. Geburtstag gefeiert hat.
Elke Höxtermann und Anneliese Götte sehen sich zwei Mal am Tag und das seit elf Jahren. Als sich die damals 90-Jährige bei einem Sturz beide Arme bricht, war sie plötzlich auf die Hilfe anderer angewiesen und dankbar, dass es den Dienst der ambulanten Pflege gibt. Von der täglichen Körperhygiene bis zur Insulingabe, übernimmt die Pflegefachkraft die Dinge, die Anneliese Götte alleine nicht mehr schafft. Dabei tauschen sie sich nicht nur über die akuten Bedürfnisse aus, sondern tauchen auch immer mehr in die persönliche Geschichte ein. Geburtstage, Osterfeste Weihnachten – Elke Höxtermann weiß, was Anneliese Götte zu diesen Feierlichkeiten gerne trägt und wie sie sie verbringt. Sie weiß, wo die Kinder und Enkelkinder leben und hat die Geburten der Urenkel miterlebt. Im letzten Jahr haben sie sogar gemeinsam den 100. Geburtstag gefeiert. „Ich bin immer glücklich, wenn Frau Höxtermann Zeit hat und einen Moment länger bleiben kann“, so Anneliese Götte.
Die 101-jährige ist in Dortmund geboren und aufgewachsen, bis sie und ihre Familie die Stadt aufgrund des Krieges verlassen mussten. Götte: „Das waren die schlimmsten sechs Jahre meines Lebens. Statt tanzen zu gehen, saß ich im Bunker, hatte Todesängste und viel Leid und Tränen gesehen.“ Noch heute träumt sie davon, mit erhobenen Händen vor den bewaffneten Soldaten zu stehen. „Ich stand am Fenster und habe zugesehen, wie sie in unsere Stadt eindrangen.“
So kam Anneliese Götte mit 16 Jahren nach Körbecke. Den Ort kannte sie bereits, da dort ihre Großeltern lebten, die sie als Kind häufig besuchte. Dass das einmal ihr Lebensmittelpunkt wird und sie nicht wieder nach Dortmund zurückkehrt, hätte sie damals noch nicht gedacht. Nur wenige Zeit später verliebt Götte sich. Sie heiratet den Sohn einer Fleischerfamilie, gemeinsam bekommen sie drei Kinder und führen das Geschäft in zweiter Generation fort. Heute lebt die 101-jährige mit ihrem Sohn und ihrer Schwiegertochter in dem Haus. Nur die Räumlichkeiten und das große Namensschild an der Hauswand erinnern noch an den lebhaften Alltag von damals. Anneliese Götte denkt gerne an die alten Zeiten zurück. Ihr Ehemann ist bereits vor einigen Jahren verstorben, doch ein Bild von ihm in jedem Raum sorgt dafür, dass sie nie ohne ihn sein muss. „Früher hatten wir das Haus voller Leute und im Geschäft wurde den ganzen Tag geredet. Heute ist es ruhig um mich geworden“, erzählt sie.
Auch in diesen Momenten ist Elke Höxtermann da. Die Pflegefachkraft hat immer ein offenes Ohr und versucht die richtigen Worte zu finden. Sie kennt Anneliese Göttes Geschichte, weiß, was sie beschäftigt und womit sie ihr ein Lachen entlocken kann. „Sich von jemandem pflegen zu lassen, bedeutet auch, vertrauen zu müssen. Darum achten wir immer darauf, dass jeder Patient seine feste Bezugsperson hat“, erklärt sie.
Dass Anneliese Götte einmal so alt wird, hätte sie selbst nie gedacht. Dabei hinterlassen die letzten Jahre auch ihre Spuren. Sie hat Schmerzen in den Armen und den Beinen, die Mobilität lässt nach und damit auch die Selbstständigkeit. Hat sie den 100. Geburtstag noch groß gefeiert, kommt sie heute schneller an ihre Grenzen. Auch das neue Lebensjahr kann sie nicht mehr beeindrucken: „101 ist eine krumme Zahl, da wird nicht mehr gefeiert“, sagt sie und lacht.