KHWE warnt vor Folgen der Gesundheitsreform für konfessionelle Träger

Hospitalvereinigung empfängt Parlamentarischen Staatssekretär Dr. Georg Kippels

Empfang an der KHWE-Zentralverwaltung in Brakel (von links): Timo Götz (Kaufmännischer Direktor), MdB Christian Haase, Simon Schmale (Leiter Geschäftsbereich Krankenhaus), Geschäftsführer Christian Jostes, Christoph Pottmeier (Vorsitzender Gesellschafterversammlung), Parlamentarischer Staatssekretär Dr. Georg Kippels, Marcel Giefers (Verwaltungsratsvorsitzender) und Isabell Waschkies (Leitung Kommunikation und Christliche Identität).

08.06.2026

Brakel/Höxter. Hoher Besuch aus Berlin bei der KHWE: Dr. Georg Kippels MdB, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Gesundheit, hat sich jetzt vor Ort über die Gesundheitsversorgung im Kreis Höxter, die möglichen Auswirkungen der geplanten Gesundheitsreform und die besonderen Herausforderungen ländlicher Regionen informiert. Im Mittelpunkt standen neben der Zukunft der Krankenhausversorgung auch die Situation der stationären und ambulanten Pflege und die besondere Bedeutung konfessioneller Träger. Begleitet wurde er vom heimischen Bundestagsabgeordneten Christian Haase MdB.

Die KHWE zählt mit ihren Krankenhäusern, Seniorenhäusern, Medizinischen Versorgungszentren, ambulanten Diensten, Therapie- und Bildungseinrichtungen sowie einer Service-Gesellschaft zu den größten Gesundheitsversorgern in Ostwestfalen-Lippe. Dabei ist die KHWE nicht nur ein bedeutender Gesundheitsversorger, sondern mit ihren mehr als 3200 Mitarbeitern auch einer der größten Arbeitgeber vor Ort. Rund jeder 14. Arbeitsplatz im Kreis Höxter ist direkt mit der KHWE verbunden. Mit einem Jahresumsatz von 250 Millionen Euro, hohen Personalaufwendungen, Investitionen und Aufträgen an regionale Dienstleister, Handwerksbetriebe und Zulieferer hat die KHWE eine erhebliche Bedeutung für Kaufkraft, Beschäftigung und Wertschöpfung in der Region. 

Die KHWE nutzt den Besuch von Staatssekretär Dr. Georg Kippels in der Zentralverwaltung Brakel und im St. Ansgar Krankenhaus Höxter, um deutlich zu machen, dass die geplanten Reformen nicht nur Auswirkungen auf das Gesundheitswesen haben, sondern konkrete Folgen für die Versorgung und die wirtschaftliche Stabilität ländlicher Regionen haben können. Nach Einschätzung der Krankenhausgesellschaft Nordrhein-Westfalen drohen den Krankenhäusern durch das geplante GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz bundesweit erhebliche Erlösverluste. Auch die KHWE rechnet durch den Wegfall des Rechnungszuschlags, die Deckelung der Erlösentwicklung und Veränderungen beim Pflegebudget mit erheblichen Belastungen.

„Die KHWE ist wirtschaftlich stabil aufgestellt und hat in den vergangenen Jahren durchgängig positive Jahresabschlüsse erwirtschaftet. Gerade deshalb ist die aktuelle Entwicklung so besorgniserregend. Die geplanten Eingriffe treffen nicht nur Häuser, die bereits in Schwierigkeiten sind, sondern auch leistungsfähige Einrichtungen, die ihre Verantwortung im ländlichen Raum zuverlässig wahrnehmen“, sagt KHWE-Geschäftsführer Christian Jostes. Die Mitarbeiter wüssten, dass sich das Gesundheitswesen verändern werde. Die Bereitschaft, diesen Wandel aktiv mitzugestalten, sei im Unternehmen groß. Zugleich sei die Enttäuschung über die fehlende politische Unterstützung erheblich. „Unsere Mitarbeiter sind bereit, Veränderungen anzunehmen und sich weiter mit großem Engagement für ihre KHWE einzusetzen. Was sie aber erleben, ist eine Politik, die den wirtschaftlichen Druck auf Krankenhäuser weiter erhöht, statt verlässliche Rahmenbedingungen zu schaffen“, so Jostes weiter.

Bereits heute stehen viele Krankenhäuser unter erheblichem finanziellem Druck. In der Branche wird vor einer zunehmenden Zahl von Insolvenzen, gefährdeten Arbeitsplätzen und längeren Wartezeiten für Patienten gewarnt. Besonders ländliche Regionen könnten von dieser Entwicklung betroffen sein, weil dort Entfernungen, Fachkräftemangel und der Erhalt wohnortnaher Versorgungsstrukturen eine besondere Rolle spielen. „Die Insolvenzwelle der Krankenhäuser hat längst begonnen, auch in unserer Region“, sagt KHWE-Geschäftsführer Christian Jostes. „Sollte diese Entwicklung anhalten, werden insbesondere Einrichtungen in freigemeinnütziger und konfessioneller Trägerschaft weiter unter Druck geraten. Im schlimmsten Fall droht ein Verlust der vielfältigen Trägerlandschaft, die das deutsche Gesundheitswesen seit Jahrzehnten prägt.“ Im Gegensatz zu kommunalen Krankenhäusern verfügen konfessionelle Träger nicht über die Möglichkeit, strukturelle Defizite dauerhaft durch öffentliche Haushalte auszugleichen. „Wir müssen wirtschaftlich erfolgreich arbeiten, um unsere Versorgungsaufträge erfüllen zu können. Dass dies gelingt, beweist die KHWE mit ihren stabilen Ergebnissen und einer positiven Entwicklung. Doch die geplanten gesetzlichen Regelungen führen zu Belastungen, die selbst solide aufgestellte Einrichtungen vor erhebliche Herausforderungen stellen. Deshalb braucht es Nachbesserungen, damit die Gesundheitsreform ihr Ziel erreicht, ohne funktionierende Versorgungsstrukturen zu gefährden“, so Jostes.

Auch der Kaufmännische Direktor der KHWE, Timo Götz, verweist auf die Folgen für die Region. Die KHWE sei Arbeitgeber, Ausbilder, Auftraggeber und Wirtschaftsfaktor zugleich. „Wenn ein Verbund wie die KHWE unter Druck gerät, betrifft das nicht nur Krankenhausflure und Pflegebereiche. Es betrifft Familien, Kaufkraft, regionale Betriebe, Investitionen und die wirtschaftliche Stabilität des Kreises Höxter. Gesundheitspolitik ist im ländlichen Raum immer auch Strukturpolitik“, sagt Götz.

Auch die besondere Rolle konfessioneller Träger im deutschen Gesundheitswesen war Gegenstand des Austauschs. Die KHWE befindet sich im Eigentum von fünf katholischen Kirchengemeinden aus der Region sowie der CURA gemeinnützigen Beteiligungsgesellschaft mbH. „Als konfessioneller Träger tragen wir Verantwortung für die Menschen in unserer Region. Unser Auftrag geht über wirtschaftliche Kennzahlen hinaus. Es geht darum, auch künftig eine verlässliche Versorgung sicherzustellen und dabei die Werte zu bewahren, auf denen unsere Einrichtungen seit Jahrzehnten aufbauen“, sagt Christoph Pottmeier, Vorsitzender der Gesellschafterversammlung der KHWE.
Im Unterschied zu kommunalen oder privaten Trägern verbindet die KHWE wirtschaftliche Verantwortung mit einem kirchlichen Auftrag. „Dieser Anspruch prägt nicht nur die Gesellschafterstruktur, sondern auch die Unternehmenskultur“, sagt Isabell Waschkies, Leitung Kommunikation und Christliche Identität. Für die Verantwortlichen ist die konfessionelle Trägerschaft dabei weit mehr als eine historische Besonderheit. „Unsere christliche Identität ist für uns kein Zusatz, sondern Teil unseres Selbstverständnisses. Sie prägt unseren Umgang mit Patienten, Bewohnern und Mitarbeitern und gibt Orientierung in einer Zeit, in der das Gesundheitswesen stark unter Druck steht“, sagt Waschkies. Der über viele Jahre entwickelte Kulturprozess der KHWE habe dazu beigetragen, ein gemeinsames Verständnis von Verantwortung, Vertrauen und Zusammenarbeit zu fördern. Viele Mitarbeiter identifizierten sich in besonderer Weise mit ihrem Arbeitgeber und dem Auftrag der Einrichtung. „Wir sind stolz darauf, in konfessioneller Trägerschaft zu arbeiten. Was uns verbindet, ist nicht die Herkunft oder die Konfession, sondern die gemeinsame Überzeugung, dass unsere Arbeit für andere Menschen einen Sinn hat. Sie ist unsere große Stärke und hilft uns, die Herausforderungen der Zukunft gemeinsam zu bewältigen“, so Waschkies.

Verwaltungsratsvorsitzender Marcel Giefers betont die Verantwortung für die Menschen in der Region. Die Gesundheitsversorgung dürfe nicht allein nach Maßstäben von Ballungsräumen bewertet werden. „Wer im ländlichen Raum lebt, braucht die Sicherheit, auch künftig wohnortnah medizinisch und pflegerisch versorgt zu werden. Dafür benötigen Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen Planungssicherheit und Rahmenbedingungen, die ihren tatsächlichen Versorgungsauftrag berücksichtigen“, sagte Giefers.

Neben der Krankenhausversorgung wurde auch die Situation der stationären und ambulanten Pflege thematisiert. Die KHWE machte deutlich, dass Versorgung im Kreis Höxter nur im Zusammenspiel verschiedener Angebote gelingen könne: Krankenhäuser, Seniorenhäuser, ambulante Pflege, Tagespflege, Palliativversorgung, Medizinische Versorgungszentren sowie Therapie- und Bildungsangebote müssten gemeinsam gedacht werden. Gerade im ländlichen Raum seien starke Verbünde notwendig, um Patienten, Bewohner und Angehörige verlässlich zu begleiten.

Die Leitungen der ambulanten und stationären Altenhilfe in der KHWE berichten dem Politiker aus dem Bundesgesundheitsministerium über ihre Arbeit (von links): Stephanie Mai (Stabsstelle Altenhilfe), Claudia Schüler (St. Johannes Baptist Seniorenhaus Beverungen), Parlamentarischer Staatssekretär Dr. Georg Kippels, Marc Finke (St. Josef Seniorenhaus Bökendorf), Geschäftsführer Christian Jostes, Stefan Kruse (St. Antonius Seniorenhaus Brakel), Nadine Schmitz (Caritas Pflegestationen Kreis Höxter), Pascal Busse (St. Rochus Seniorenhaus Steinheim) und Bianca Butterwegge (St. Nikolai Seniorenhaus Höxter).

 

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